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Vormund- oder Mentorenschaften (Verena, 35 Jahre)

Mich hat das Thema "drohende Kinderlosigkeit" vor zwei Jahren sehr intensiv beschäftigt. Der existenzielle Horror, der sich an die Vorstellung von Kinderlosigkeit knüpft: Ein Yuppieleben mit Hund und einsam im Alter. Das kann entsetzlich sein...


Ich habe mich damals an eine Organisation in Berlin gewandt: Akinda, ein Verein, der sich um minderjährige, elternlose Flüchtlinge kümmert und für diese Mentoren oder Vormünder vermittelt.


Heute denke ich manchmal, das war das Beste, was ich überhaupt je getan habe. Mittlerweile bin ich Vormünderin einer 14-jährigen Vietnamesin, die in einer Jugend-WG wohnt, finde mich des öfteren auf Elternabenden, Fußballturnieren und Ähnlichem wieder -- und das Thema Kinderkriegen hat sich auf eine Weise entspannt, die ich nie für möglich gehalten hätte.


Von außen betrachtet hat das natürlich erstmal nichts mit dem Babyglück zu tun, das man im Kopf hat, wenn man vom Kinderkriegen träumt. Und es ist nicht das eigene Kind. Und schon so groß etc. Ich hätte es selbst nicht für möglich gehalten, aber sogar die Frage nach dem Sinn eines erfüllten Lebens wird so sehr viel milder. Sie geben etwas weiter. Sie helfen jemanden - mit gar nicht soviel Zeitaufwand - der ohne Sie ein viel schlechteres Leben hätte. Und es macht einfach wahnsinnig viel Spaß. Und Sie lernen andere Kinder kennen, andere Familien, andere Flüchtlinge, Betreuer und sind plötzlich in einer Rolle, die glaube ich, ganz viel mit Elternsein zu tun hat: Eine Verbindung zur nächsten Generation zu haben, etwas weiterzugeben, in der Gesellschaft vernetzter zu sein, schlechte Popmusik anhören zu müssen, vergeblich gute Bücher weitergeben zu wollen ... ach, es macht einfach wahnsinnig viel Spaß und bei mir ist aus einer Krise etwas geworden, was mir gut tut und einem anderen Menschen auch.


Und wenn Freunde von mir Kinder bekommen, dann empfehle ich die kleine Sarah meist als Babysitter (Ihre Freunde werden begeistert sein).

 

Anmerkung der Redaktion:

Mehr Infos zu AKINDA findet Ihr unter www.fluechtlingsrat-berlin.de