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Dann adoptiert doch... - ein Erfahrungsbericht (Anne, 34 Jahre)

Die hilflose erste Reaktion viele meiner damaligen Freundinnen war: „und Adoption?“ Das hat mich jedes Mal wütend und auch sehr traurig  gestimmt.


Als ob eine Adoption über den Mangel eines eigenen Kindes hinweghelfen könnte! Ja, sicher, die meisten Adoptivbewerber sind  ungewollt kinderlos. Welche Familie mit bereits zwei Kindern ist  schon in der Lage sich dem bürokratischen und emotionalen Stress 
einer Adoption auszusetzen? Außerdem ist es ein Irrglaube, dass in  deutschen Kinderheimen unzählige Babys und Kleinkinder auf neue  Eltern warten.

 

Die meisten Kinder, die in Kinderheimen leben,  befinden sich im Pubertätsalter. Also ist man dann ganz schnell bei  Auslandsadoptionen, zumal die potenziellen Adoptionsbewerber in der Regel älter sind und die Chance auf ein deutsches Adoptivkind somit  verschwindend gering. Auslandsadoptionen kosten viel Geld. Für  Formulare, Übersetzungen, Genehmigungen und Reisekosten muss man um  die 15.000 € veranschlagen. Das sind Summen, die nicht von jedem ohne weiteres aufgebracht werden können. Denn nach bereits vergeblichen IVF  oder ICSI Versuchen (die alle nur bis zu 3 mal zur Hälfte von den  Krankenkassen finanziert werden) sind die Ersparnisse oft  aufgebraucht.  Also, ganz so einfach ist das nicht mit dem Adoptieren. Auch wenn prominente Beispiele wie Madonna oder Angelina Jolie vielleicht das Gegenteil suggerieren. Fast könnte man meinen, Adoptieren sei „en vogue“ in Prominenten-Kreisen...

 

Außerdem geht es doch bei Adoptionen nicht darum, meinen unerfüllten  Kinderwunsch zu befriedigen. Hier geht es gerade um den umgekehrten Weg. Nicht die potentiellen Eltern „wählen“ ein Kind aus, sondern es werden Eltern  für Kinder gesucht. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur „normalen“ Familiengründung. Adoption ist ein ganz anderer Weg und verlangt von den Adoptiveltern eine ganze Menge Mut. Denn die meisten zur Adoption freigegebenen Kinder stammen nun mal aus problematischen Familienverhältnissen, sonst könnten sie ja bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen. Die Gründe, warum sich eine Mutter dazu entschließt ihr Kind abzugeben, können vielseitig sein. Wichtig ist jedoch, dass diese von den potentiellen Adoptiveltern nicht geleugnet werden. Sie gehören zu der Geschichte des Kindes und ein Kind hat ein Recht darauf zu erfahren, woher es stammt. Insofern halte ich eine Adoption für einen völlig anderen Weg, der sehr viel Klarheit und Mut erfordert. Aber bestimmt auch große Chancen birgt...