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Zwischen Bangen und Hoffen - ein Erfahrungsbericht (Annemarie, 34 Jahre)

Mein Mann und ich sind ungewollt kinderlos und haben uns nach einem langen Prozess des Trauerns für den Weg der Adoption entschieden. Vielmehr, wir können uns nunmehr vorstellen, auch ein Familienleben mit einem angenommenen Kind zu leben. Das war ein schmerzhafter Prozeß, und die Trauer, niemals ein eigenes Kind zu Welt zu bringen, wird mich wohl mein Leben lang begleiten. Der Wunsch, Adoptiveltern zu werden, unterscheidet sich grundlegend für mich von dem Wunsch, ein eigenes Baby zu bekommen.

 

Momentan befinden wir uns in dem Bewerbungsprozeß beim Jugendamt. Wir mußten einen mehrseitigen Bericht über unser bisheriges Leben schreiben und erläutern, warum wir uns gerade vorstellen können, ein Kind zu adoptieren. Nach gewissen „Anlaufschwierigkeiten“ hat das Schreiben dieses Berichtes sogar fast ein wenig Spaß gemacht. Ich bin mit meinem Mann dafür ein Wochenende an die Ostsee gefahren und wir haben uns in ein gemütliches kleines Landhotel einquartiert. So haben wir das Angenehme mit dieser großen Aufgabe verbunden.

 

Mir ist durch das Schreiben sehr viel klar geworden. Die Frage: „Warum will ich eigentlich Kinder?“, sollten sich eigentlich alle Paare, die planen, Kinder zu bekommen, stellen. Man lernt viel über seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse und vielleicht hilft es ein wenig, bewusster in die Rolle der Elternschaft hineinzuwachsen...

 

Nun ist das Besondere an einer Adoption sicherlich, das der Ausgang ungewiss ist. Es gibt viel mehr potenzielle Adoptivbewerber, als Kinder, die zur Adoption abgegeben werden. Dadurch muß man eigentlich mit beidem rechnen: die Vorstellung von heute auf morgen Eltern zu werden und trotzdem darf man nicht alles auf eine Karte setzen. Sprich, ich kann nicht ein Leben in der „Warteschleife“ führen. Zwei Jahre lang wird man in der Kartei vom Jugendamt geführt, wenn bis dahin keine Vermittlung stattgefunden hat, „fliegt man raus“. Das finde ich schwierig an der ganzen Situation. Wenn man schwanger ist, hat man gewöhnlich 9 Monate Zeit, sich auf das Baby vorzubereiten. Im Fall der Adoption kann alles ganz schnell gehen. Es kann sein, das morgen das Jugendamt anruft und uns ein Baby vorschlägt. Es kann aber auch sein, dass zwei Jahre lang nichts passiert.

 

Wie lebe ich mit dieser Ungwissheit? Erzähle ich z.B. meinem Vorgesetzen von unseren Plänen? Aber was ist, wenn gar nichts passiert? Fange ich womöglich einen neuen Job an? Wie ist es möglich, bei einer so großen Entscheidung, sein „normales“ Leben fortzuführen? Pläne zu schmieden, wo doch der ganz große Plan ein ganz anderer ist...?

 

Trotzdem versuche ich, zuversichtlich zu sein und mich auf meine möglich Rolle als Adoptivmutter vorzubereiten. Ich lese Bücher und suche Kontakt zu Eltern mit Adoptivkindern. Warum sollten wir nicht zu den Glücklichen gehören, bei denen es klappt? Obwohl die Probleme dann vielleicht erst richtig losgehen.....