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Wie soll ich mich als Außenstehender (Angehöriger/Freundin/Freund) einem Paar mit Kinderwunsch gegenüber verhalten? (Tewes Wischmann/Heike Stammer)

Jedes Paar mit Kinderwunsch sucht seinen eigenen Weg, wie offen es mit seiner Situation umgehen möchte. Im Lauf der Zeit wird sich diese Haltung auch ändern. Für Sie als Angehörigen bzw. Freund ist es auf alle Fälle sinnvoll, immer wieder Ihre Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, ohne sich dem Paar aufzudrängen. Sie sollten ungewollte Kinderlosigkeit als das ansehen, was es ist: Eine Situation, die etliche Paare unerwartet trifft, die sich häufig zu einem zentralen Lebensproblem mit starken begleitenden Gefühlen entwickelt und für die es viele Behandlungsmöglichkeiten gibt, welche aber nicht notwendigerweise zu einem erfüllten Kinderwunsch führen.

 

Obwohl ungewollte Kinderlosigkeit häufig mit Scham- und Schuldgefühlen verknüpft ist, gibt es für Sie keinerlei Gründe, diese Situation zu tabuisieren. Ein offener, nicht wertender Umgang von ihrer Seite ist in den meisten Fällen förderlich. Ein Kinderwunschpaar braucht Anteilnahme, kein dramatisierendes »Mitleid«, aber auch keine entwertenden bagatellisierenden Stellungnahmen ihrerseits.

 

Sie sollten über die Thematik informiert sein, beispielsweise über die von uns empfohlenen Ratgeber zu den medizinischen Aspekten bei Fruchtbarkeitsstörungen (siehe Kapitel 1). Sie sollten auch wissen, mit welchen gefühlsmäßigen Reaktionen Sie von Seiten des Paares zu rechnen haben und sollten diese nicht zu persönlich nehmen (siehe Kapitel 2). Verfallen Sie nicht in übertriebenen Aktionismus, indem Sie das Paar mit immer neuen Behandlungsideen »versorgen«. Lassen Sie sich nicht von der Ohnmacht und hilflosen Verzweiflung anstecken: Jedes Paar hat die Chance, diese Krisensituation zu überwinden.


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Auszug aus dem Werk: Tewes Wischmann, Heike Stammer, Der Traum vom eigenen Kind. Psychologische Hilfen bei unerfülltem Kinderwunsch. 3., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Kohlhammer, 2006 (S. 154–155). Copyright und Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags W. Kohlhammer. – Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.