ungewolltkinderlos eVStartseite
Sie befinden sich hier: Startseite ›› Und was dann? ›› Glücklich ohne Kind?

Langfristige Folgen ungewollter Kinderlosigkeit (Tewes Wischmann/Heike Stammer)

Die Annahme, dass Kindersegen zum Lebensglück unbedingt dazugehöre, ist falsch. In einer gemeinsamen Studie der Universitäten Jena und Freiburg/Breisgau wurden 428 Personen zwischen 43 und 65 Jahren, je zur Hälfte Kinderlose und Eltern, befragt.

 

Ergebnisse: Kinderlose Paare sind genauso glücklich und sozial eingebunden, sie sind nicht kränker oder gesünder, haben nicht mehr psychosomatische Störungen, depressive Verstimmungen oder andere Erkrankungen als andere.

 

Der entscheidende Schritt für eine erfolgreiche psychische Bewältigung von Kinderlosigkeit scheint zu sein, alternative Lebenskonzepte zu entwickeln, die ebenfalls Erfüllung versprechen. Darüber hinaus gibt es auch Paare, die sich einen symbolischen Ersatz für ihr Traumkind geschaffen haben und zum Beispiel gemeinsame Hobbies pflegen. Diese Strategie wappnet gegen mögliche depressive Verstimmungen, etwa wenn mit dem Eintritt ins Rentenalter eine neue Lebensphase beginnt. Bei manchen älteren Menschen taucht im Zusammenhang mit solchen Umbrüchen das Problem der eigenen Kinderlosigkeit noch einmal in der Rückschau auf.

 

Am besten kommen in der langfristigen Bewältigung von Kinderlosigkeit jene Menschen zurecht, die sich entweder bewusst gegen Nachwuchs entschieden haben oder eine Kinderlosigkeit aufgrund von Fertilitätsstörungen als Schicksal akzeptieren. Ungünstig aus psychologischer Sicht sind Grübeleien oder Selbstschuldzuweisungen. Negativ wirken sich auch tief verwurzelte soziale Vorurteile aus, also bei Männern, wenn sie sich einen Stammhalter wünschen, oder bei Frauen, die den Kindersegen als definitiven Bestandteil ihrer Geschlechterrolle ansehen.

 

__________________________________________________________________________

Auszug aus dem Werk: Tewes Wischmann, Heike Stammer, Der Traum vom eigenen Kind. Psychologische Hilfen bei unerfülltem Kinderwunsch. 3., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Kohlhammer, 2006 (S. 154–155). Copyright und Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags W. Kohlhammer. – Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.