ungewolltkinderlos eVStartseite
Sie befinden sich hier: Startseite ›› Und was dann?

Unser Weg zur Adoption - Ein Erfahrungsbericht (Dinah, 32)

Es ist noch nicht lange her, da schrieb ich hier auf dieser Seite noch Beiträge unter Tränen über meine ungewollte Kinderlosigkeit. Ein leibliches Kind habe ich auch heute noch nicht. Aber ich habe eine Adoptivtochter. Sie ist jetzt fast 11/2 Jahre alt und nie hat ein Menschenkind mich so sehr berührt. Aber von vorn:

Nachdem ich meine Kinderlosigkeit in unzähligen Selbsthilfetreffen und unzähligen Stunden bei meiner Therapeutin betrauert, bewütet, begriffen hatte, erwuchs die Sicherheit aus mir heraus, auch mit einem angenommenen Kind glücklich werden zu können.

Leicht war die Entscheidung nicht. Auch ich hatte viele Horrorszenarien über „missglückte Adoptionen“ gelesen und gehört. Ich war auf Informationsabenden, auf denen einem wenig Mut gemacht wurde, dass es überhaupt in Deutschland klappen könnte mit einer Adoption – aus Mangel an Kindern. Und die Kinder, die es gibt, seien meistens bereits vor ihrer Geburt mit Alkohol und/oder Drogen in Kontakt geraten und trügen bereits schwere Traumata in sich, da sie im Mutterleib ignoriert und fast immer mit negativen Gefühlen behaftet worden waren. Nicht gerade eine Werbekampagne für Adoption.

Ich wog also – natürlich gemeinsam mit meinem Mann und anderen Vertrauten – alle mir bekannten Risiken und Umstände ab und ging wieder und wieder in mich, ob ich dem Weg einer Adoption gewachsen sein könnte. Ich fragte mich intensiv, warum ich überhaupt Mutter sein will. Worum es eigentlich geht bei diesem unbändigen Wunsch, Mutter zu sein.

Letztlich entschieden wir uns, den steinigen Weg der Adoption zu beschreiten und positiv und optimistisch in die Zukunft zu sehen. Wir kontaktierten das Jugendamt und mussten erstmal drei Seminarabende für Adoptionsbewerber besuchen, bevor wir überhaupt den Antrag auf Prüfung beim Jugendamt stellen konnten. Auch diese sehr intensiven Seminare schreckten uns nicht ab, sondern festigten unsere Entscheidung nur noch mehr. Darüber hinaus lernten wir sehr nette Leute kennen, die im Begriff waren, den gleichen Weg, wie wir, zu gehen.

Die Gespräche mit dem Jugendamt verliefen dann soweit gut. Natürlich waren wir vor jedem Gespräch und Hausbesuch sehr angespannt und hofften inständig, dass alles zu unseren Gunsten laufen würde und Dinge, die wir sagen wollten, nicht missverstanden werden. Aber wir hatten uns gut vorbereitet und alle gewünschten Unterlagen, einschließlich unserer beider Lebensberichte, zusammengestellt. Wir hatten das Gefühl, endlich etwas tun, etwas bewegen zu können.

Meine allerwichtigste Erkenntnis aus der Zusammenarbeit mit dem Jugendamt ist, dass man ehrlich denen und sich selbst gegenüber sein muß. Sich selbst in die Tasche lügen, würde nicht funktionieren, denn es wird schon sehr intensiv nachgefragt. Und wenn man an sich und seiner Trauer ausreichend gearbeitet hat und sich selbst klar darüber ist, dass  man eine Adoption ganz sicher will, kann einem auch nichts passieren bei diesen „Prüfungsgesprächen“.

Wir wurden also vom Jugendamt positiv geprüft und freuten uns riesig darüber. Die erste Hürde war genommen. Nun stellten wir uns auf eine lange Wartezeit ein, mindestens ein bis zwei Jahre, und malten uns aus, wie es wohl sein würde, DEN Anruf zu bekommen. Natürlich schlich sich auch die Angst ein, dass es nicht klappen könnte. Die Prognosen waren nicht sehr vielversprechend, weil in den letzten Jahren in unserem Kreis kein einziges Adoptivkind vermittelt worden war. Aber wir versuchten, wie gesagt, positiv in die Zukunft zu blicken. Wir hatten nun getan, was wir konnten und alles auf den Weg gebracht und nun konnten wir nur noch darauf hoffen, dass ein kleines Menschenkind zu uns findet.

Nach gar nicht so langer Wartezeit bekamen wir ein Baby vermittelt. Das klingt jetzt sehr abgekürzt. Aber letztendlich war es so. Wir bekamen den heiß ersehnten Anruf und lernten eine Woche später die hochschwangere Mutter unseres Kindes kennen. Darüber könnte ich noch einmal einen gesonderten Beitrag schreiben. Dies war einer der aufregendsten und emotionalsten Momente meines Lebens. Sie wünschte sich junge Eltern, die noch keine Kinder hatten. Diesen Wunsch konnten wir erfüllen. Sie mochte uns und entschied – wir sollen für ihr Kind sorgen. Zwei Wochen später war der Entbindungstermin und wir holten ihre und unsere Tochter aus dem Krankenhaus ab, als sie drei Stunden alt war.

Natürlich ist es etwas anderes, sich monatelang auf die Ankunft des Babys vorbereiten zu können. Wir hatten gerade mal zwei Wochen Zeit. Aber am Anfang braucht ein Baby nicht viel, um glücklich und zufrieden zu sein und das, was man wirklich braucht (eine Hebamme, ein bisschen Kleidung, Fläschchen, Nahrung, ein Schlafplätzchen, einen Kinderwagen), kann man auch in kürzester Zeit organisieren. Das wichtigste in diesen zwei Wochen war, uns auf unsere neue, lang ersehnte, Rolle als Eltern einzulassen und alle äußeren Umstände, z. B. Job, zu regeln und uns einfach nur zu freuen!

Ich liebe mein Kind über alles und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man mit intensiveren Muttergefühlen beschenkt ist, wenn man ein leibliches Kind bekommt. Natürlich weiß ich es nicht und werde es wahrscheinlich auch nie herausfinden. Aber ich bin einfach ganz sicher in meinem Herzen, dass das zusammenfindet, was zusammengehört. Und dieser kleine Engel ist aus den Wolken direkt in unseren Schoß gefallen. Wir haben ihn liebevoll und ohne Vorurteile aufgenommen und ihm den Weg in unsere Herzen geöffnet und auch dieser kleine Engel hat seine Flügel ausgebreitet und uns bei sich aufgenommen.

Ich möchte mit meinen Zeilen alle Paare, die sich für eine Adoption entscheiden, ermutigen, diesen Weg zu Ende zu gehen, auch wenn es einige Hürden zu nehmen gibt - emotional wie organisatorisch. Das Wichtigste ist dabei, dass Ihr mit Euch selbst im Reinen seid und Euch ganz sicher seid, dass Ihr es wirklich von Herzen wollt. Denn, den Lebensweg eines adoptierten Kindes zu begleiten ist bestimmt nicht immer eine einfache Aufgabe aber es ist mit Sicherheit ein sehr spannender Weg.